Soyo, auf Guaraní So’o Josopy, ist eine sämige Fleischsuppe aus feinem Rindfleisch, etwas Reis und Gemüse. Dieses paraguayische Suppenrezept gehört fest zur einheimischen Küche und wird gerne an kühlen Tagen heiß serviert, häufig zusammen mit Tortilla oder gekochter Mandioca.
Bei meinem ersten Teller fiel mir sofort die ungewöhnlich feine Struktur auf. Anders als bei typischen Hackfleischsuppen bleibt das Fleisch nicht krümelig, sondern verteilt sich völlig gleichmäßig.
In diesem Rezept erfährst du Schritt für Schritt, wie dir diese feine Struktur gelingt. Dazu findest du praktische Küchentipps, einfache Zutaten-Alternativen und verschiedene Varianten.
📝 Soyo Rezept: Schritt für Schritt erklärt#
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Vorbereitung: ca. 20 Minuten
- Kochzeit: ca. 40 Minuten
- Gesamtzeit: ca. 60 Minuten
- Portionen: 6 Portionen als Hauptgericht oder 8 kleinere Portionen
🛒 Zutaten für So’o Josopy#
Die meisten Zutaten hast du bestimmt schon im Haus. Hier siehst du, was ins Grundrezept gehört und wie du es verfeinerst.
Hauptzutaten#
- 500 g carnaza negra (etwa Rinderoberschale), zweimal fein gewolft; alternativ anderes mageres Rindfleisch aus der Keule oder mageres Rinderhack
- 2 Liter kaltes Wasser
- 2 EL Reis
- 1 große Zwiebel
- 1 rote oder grüne Paprika (locote)
- 1 große Tomate
- 2 Knoblauchzehen
- 3 Frühlingszwiebeln
- 2 EL Pflanzenöl (oder Schweineschmalz / grasa de cerdo)
- 1 TL getrockneter Oregano
- Salz und schwarzer Pfeffer
- 2 EL gehackte Petersilie
Optionale Zutaten#
- 1 gestrichener EL Weizenmehl (für zusätzliche Bindung)
- ½ TL Kreuzkümmel (comino)
- etwas frischer Koriander (kuratũ) zum Servieren
Locote: Außerhalb Südamerikas nimmst du einfach eine normale grüne oder rote Gemüsepaprika.
Frische Tomate: Zwei bis drei Esslöffel stückige Dosentomaten sind ein praktischer Ersatz außerhalb der Saison.
Glutenfrei: Ohne das optionale Mehl ist das Grundrezept glutenfrei. Reis und fein verteiltes Fleisch sorgen bereits für eine leichte Bindung.
Kuratũ: Falls dir frischer Koriander nicht schmeckt oder du keinen bekommst, nimm einfach glatte Petersilie.
Milderes Aroma: Pflanzenöl schmeckt neutraler als Schweineschmalz. Für eine tatsächlich fettärmere Version kannst du die Menge etwas reduzieren.
Benötigte Küchengeräte#
- Großer Kochtopf
- Große Schüssel (für den kalten Ansatz)
- Schneidebrett und scharfes Messer
- Kochlöffel oder Holzspatel (patulá)
- Schneebesen
- Fleischwolf, Standmixer oder Küchenmaschine
👩🍳 Schritt-für-Schritt-Zubereitung#
Vorbereitung#
- Zwiebel, Paprika, Tomate und Knoblauch so fein wie möglich würfeln.
- Die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden, Petersilie (oder Koriander) hacken.
- Den Reis kurz abspülen und abtropfen lassen.
- Fleisch und Reis portionsweise mit etwas kaltem Wasser im Standmixer kurz pulsieren, bis Fleisch und Reis sehr fein zerkleinert sind. Nicht zu lange mixen, damit keine zähe Fleischpaste entsteht.
Bei bereits zweimal gewolftem Fleisch kannst du nur den Reis mit etwas Wasser kurz zerkleinern und anschließend unter das Fleisch mischen.
Zubereitung und Garprozess#
Der kalte Ansatz: Fleisch und Reis mit 500 ml des kalten Wassers in einer großen Schüssel verrühren. Restliches kaltes Wasser nach und nach mit dem Schneebesen unterschlagen, bis sich das Fleisch ohne größere Klumpen gleichmäßig im Wasser verteilt hat. Die Mischung sieht nun milchig-trüb aus.
Gemüsebasis dünsten: Öl oder Schweinefett im Topf erhitzen. Die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze glasig dünsten, dann Knoblauch und Paprika für drei Minuten mitschwitzen.
Aroma aufbauen: Die gewürfelte Tomate und die Hälfte der Frühlingszwiebeln unterrühren. Einige Minuten dünsten, bis das Gemüse weich ist und die Tomate Flüssigkeit abgegeben hat. Für mehr Bindung jetzt das optionale Mehl eine Minute lang mit anschwitzen.
Fleischmischung einrühren: Die kalte Fleisch-Reis-Mischung langsam und in einem stetigen Strahl in den Topf gießen. Wichtig: Ab jetzt ununterbrochen mit dem Holzlöffel rühren, während du das Soyo langsam zum Kochen bringst, damit das Fleisch fein verteilt bleibt und am Topfboden nichts ansetzt.
Köcheln lassen: Sobald die Suppe kocht, die Hitze reduzieren. Das Soyo etwa 25 bis 30 Minuten ohne Deckel sanft köcheln lassen und regelmäßig umrühren.
Abschmecken: Mit Salz, Pfeffer, Oregano und optional Kreuzkümmel abschmecken. Den Topf vom Herd nehmen und die restlichen Frühlingszwiebeln sowie die frische Petersilie unterheben.
💡 Praktische Tipps für Soyo#
Soyo ohne Mörser zubereiten: Lass das Rindfleisch beim Metzger einfach zweimal durchdrehen oder püriere normales Hackfleisch kurz mit etwas kaltem Wasser im Standmixer.
Klümpchen vermeiden: Fleisch und Reis vollständig in kaltem Wasser verteilen. Beim Erhitzen kontinuierlich rühren, bis die Suppe kocht.
Die richtige Reismenge: Zwei Esslöffel genügen. Zu viel Reis saugt Flüssigkeit auf und macht das Soyo deutlich dicker.
Konsistenz anpassen: Ist die Suppe zu flüssig, lass sie einfach ein paar Minuten ohne Deckel einkochen. Ist sie zu dick geraten, hilft ein kleiner Schluck heißes Wasser.
Haltbarkeit & Aufwärmen: Reste zügig abkühlen und gut abgedeckt im kältesten Bereich des Kühlschranks lagern. Verbrauche das Soyo möglichst innerhalb von zwei bis drei Tagen. Beim Aufwärmen dickt die Suppe meist nach. Gib bei Bedarf etwas Wasser hinzu.
Zum Nachkochen gibt es das Rezept auch in Kurzform: Zur Soyo-Rezeptkarte
Nährwertübersicht#
Die Angaben beziehen sich auf eine von sechs Portionen als Hauptgericht, ohne Beilage.
- Kalorien: ca. 230 kcal
- Eiweiß: ca. 18 g
- Kohlenhydrate: ca. 10 g
- Fett: ca. 13 g
- Ballaststoffe: ca. 1,5 g
Hinweis: Die Nährwerte sind Richtwerte und können je nach verwendetem Fleisch, Fett und Portionsgröße variieren.
🍽️ Was passt zu Soyo?#
Vor Ort wird die paraguayische Fleischsuppe meist nicht als leichte Vorspeise, sondern als sättigende Mahlzeit gegessen. Diese Beilagen passen besonders gut dazu:
Tortillas paraguayas: Soyo mit frisch ausgebackener Tortilla ist die klassische Kombination. Außen knusprig und innen weich eignet sie sich besonders gut zum Eintunken.
Gekochte Mandioca: Sie wird in Paraguay häufig statt Brot zu herzhaften Gerichten serviert.
Baguette oder Brot: Beides passt auch im Alltag gut zur Suppe.
Limettenwasser: Die frische Säure bildet einen angenehmen Kontrast zur kräftigen Suppe.
**Tereré:**Das kalte Yerba-Mate-Getränk gehört für viele auch an sonnigen Wintertagen zum Alltag.
Mate Cocido: Der heiße Mate-Tee passt besonders gut an kalten Morgen oder Abenden.
🔄 Varianten des Rezepts#
Wie bei vielen paraguayischen Alltagsgerichten unterscheidet sich auch dieses Rezept je nach Familie. Vor allem Kräuter, Gemüsemengen und die Art der Bindung können variieren. Der kalte Ansatz des fein zerkleinerten Fleisches bleibt jedoch das prägende Merkmal.
Überlieferte Varianten#
Soyo con Huevo: In einer überlieferten ländlichen Variante werden zum Schluss Eier direkt in der sanft köchelnden Suppe pochiert. Ein Ei pro Person macht das Gericht noch sättigender. Lass es so lange garen, bis das Eiweiß vollständig gestockt ist.
Mit feinen Suppennudeln: Eine überlieferte Fassung nennt feine Suppennudeln (fideíto fino) als Alternative zum Reis. Auch sie werden zusammen mit dem Fleisch im kalten Wasser angesetzt.
Moderne Alltagsvarianten#
Soyo de Pollo: Für diese moderne Variante wird sehr fein zerkleinertes Hühnerfleisch nach demselben Grundprinzip mit kaltem Wasser angesetzt. Der Geschmack ist milder und das Ergebnis wirkt etwas leichter als die Rindfleischversion.
Mit mehr Gemüse: Karotte oder Kürbis geben der Suppe eine leichte Süße und machen sie etwas sämiger, verändern aber den fleischbetonten Charakter.
Schnelle Hackfleischversion: Hier werden Gemüse und Hackfleisch direkt im Topf angebraten und anschließend mit Wasser oder Brühe aufgegossen. Die Zubereitung ist unkompliziert, ergibt aber eher eine klassische Hackfleischsuppe als die fein-sämige Struktur von So’o Josopy.
Weitere Beilagen und andere herzhafte Klassiker findest du in unserer Übersicht der paraguayischen Rezepte.
🇵🇾 So’o Josopy in Paraguay: Name, Bedeutung und Tradition#
Was bedeutet So’o Josopy?#
Der Name stammt aus dem Guaraní:
- So’o bedeutet Fleisch,
- josopy (von joso) heißt zerstoßen oder zerrieben.
Sinngemäß übersetzt bedeutet So’o Josopy also „zerstoßenes Fleisch“.
Gelegentlich liest man auch Schreibweisen wie So’o Josopy, So’o Yosopy oder die verkürzte Form Sojo.
Der Name verweist direkt auf die traditionelle Zubereitung: Rindfleisch und Reis wurden gemeinsam im angu’a, einem großen Holzmörser, zu einer feinen Masse zerstoßen.
Das Geheimnis des kalten Ansatzes#
Warum rührt man rohes Fleisch in kaltes Wasser ein?
Im kalten Wasser lässt sich das fein zerkleinerte Fleisch gleichmäßig verteilen. In heißer Flüssigkeit würde es sofort stocken und größere Klumpen bilden. Beim langsamen Erhitzen und Rühren entsteht die typische fein-sämige Struktur.
Kulturelle Rolle in Paraguay#
Soyo gehört zur bodenständigen paraguayischen Hausmannskost und ist ein beliebtes paraguayisches Wintergericht.
Wenn es im Winter in Paraguay nachts kalt wird und sich ungeheizte Häuser morgens unangenehm kühl anfühlen, ist ein heißer Teller Soyo eine willkommene Mahlzeit. Gegessen wird die Suppe mittags, teilweise aber auch am späten Vormittag zur media mañana.
Seit ich hier lebe, fällt mir auf, wie selbstverständlich Suppen und Eintöpfe in der kalten Jahreszeit als vollwertige Hauptgerichte auf den Tisch kommen. Auch Klassiker wie Vori Vori, Puchero, Sopa de Locro oder die Fischsuppe Pira Caldo stehen dann häufiger auf dem Speiseplan.
Auch offiziell erhielt das Gericht 2025 besondere Anerkennung: Der paraguayische Senat erklärte So’o Josopy zum nationalen Lebensmittel. Die traditionelle Herstellung im angu’a wurde zugleich als kulturell bedeutsam hervorgehoben. Die Deklaration Nr. 294 ↗ fordert außerdem Schritte zur Anerkennung des Herstellungsprozesses als immaterielles Kulturerbe Paraguays.
Die prägenden Zutaten#
Das Fundament bildet mageres Rindfleisch. Traditionelle Rezeptfassungen nennen carnaza negra, in Paraguay auch nalga genannt. Der Zuschnitt stammt aus der Hinterkeule und entspricht ungefähr der deutschen Rinderoberschale. Außerhalb Paraguays eignet sich deshalb anderes mageres Fleisch aus der Keule; mageres Rinderhack ist die unkomplizierte Alternative.
Die übrigen Zutaten sind bewusst einfach und gehören größtenteils zur Grundausstattung vieler Haushalte in Paraguay. Die kleine Menge Reis dient nicht als typische Suppeneinlage, sondern wird gemeinsam mit dem Fleisch zerkleinert und unterstützt dadurch die leichte Bindung. Das refrito aus Zwiebel, locote, Tomate und Knoblauch bringt Würze. Oregano, Petersilie und Koriander (kuratũ) kommen erst gegen Ende hinzu, damit ihr frisches Aroma erhalten bleibt.
❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)#
Warum wird mein Soyo klumpig und wie kann ich das verhindern?
Kann ich Soyo auch einfrieren?
Ist Soyo glutenfrei?
Kann ich Soyo mit normalem Rinderhackfleisch zubereiten?
Gehört in traditionelles Soyo immer Reis?
Ist So’o Josopy als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt?
Fazit#
Soyo ist ein schlichtes, aber unverwechselbares Gericht für kalte Tage. Der kalte Ansatz braucht etwas Aufmerksamkeit, belohnt aber mit einer fein-sämigen Suppe, die kräftig schmeckt und angenehm wärmt.
Für mich zeigt Soyo besonders gut, was viele traditionelle Rezepte aus Paraguay auszeichnet: Aus wenigen alltäglichen Zutaten entsteht ein Gericht mit ganz eigenem Charakter. Mit Tortilla oder gekochter Mandioca wird daraus eine sättigende Mahlzeit, die auch außerhalb Paraguays gut gelingt.
Viel Spaß beim Nachkochen und „buen provecho“!
Du möchtest noch eine ganz andere paraguayische Suppe probieren? Vori Vori mit seinen Mais-Käse-Bällchen gehört zu den bekanntesten Klassikern. Noch mehr findest du bei unseren Suppen & Eintöpfen aus Paraguay.
✨ Ein kleines Extra für dich#
Rezept auf einen Blick

Soyo (So’o Josopy)
Sämige paraguayische Rindfleischsuppe mit Reis, Gemüse und fein verteiltem Fleisch.
- Vorbereitung
- ca. 20 Min. ca. 20 Min.
- Garzeit
- ca. 40 Min. ca. 40 Min.
- Gesamtzeit
- ca. 1 Std. ca. 1 Std.
- Portionen
- 6 Hauptportionen oder 8 kleinere Portionen
- Schwierigkeit
- mittel
- Kalorien
- ca. 230 kcal pro Portion ca. 230 kcalpro Portion
Zutaten
Für 6 Hauptportionen oder 8 kleinere Portionen:
- 500 g Carnaza negra (etwa Rinderoberschale), zweimal fein gewolft; alternativ anderes mageres Rindfleisch oder mageres Rinderhack
- 2 Liter kaltes Wasser
- 2 EL Reis
- 1 große Zwiebel
- 1 rote oder grüne Paprika (Locote)
- 1 große Tomate
- 2 Knoblauchzehen
- 3 Frühlingszwiebeln
- 2 EL Pflanzenöl oder Schweineschmalz
- 1 TL getrockneter Oregano
- Salz und schwarzer Pfeffer
- 2 EL gehackte Petersilie
- 1 gestrichener EL Weizenmehl für zusätzliche Bindung (optional)
- ½ TL Kreuzkümmel (optional)
- Etwas frischer Koriander (Kuratũ) zum Servieren (optional)
Zubereitung
- Zutaten vorbereiten: Gemüse fein schneiden, Kräuter hacken und den Reis abspülen. Fleisch und Reis bei Bedarf portionsweise mit etwas kaltem Wasser kurz im Mixer zerkleinern. Bei bereits zweimal fein gewolftem Fleisch genügt es, den Reis separat zu zerkleinern und anschließend unterzumischen.
- Kalten Ansatz herstellen: Fleisch und Reis mit zunächst 500 ml kaltem Wasser verrühren. Die restlichen 1,5 Liter kaltes Wasser nach und nach zugeben und alles mit dem Schneebesen möglichst klümpchenfrei verteilen.
- Gemüse anschwitzen: Die Zwiebel in Öl oder Schweineschmalz glasig dünsten, danach Knoblauch und Locote hinzufügen und etwa drei Minuten mitschwitzen.
- Tomaten ergänzen: Tomate und die Hälfte der Frühlingszwiebeln zugeben und einige Minuten dünsten. Wer zusätzliches Weizenmehl verwendet, schwitzt den optionalen einen Esslöffel jetzt etwa eine Minute mit an.
- Fleischmischung einrühren: Den kalten Fleisch-Reis-Ansatz langsam in den Topf gießen. Beim langsamen Erhitzen fortlaufend rühren, damit das Fleisch gleichmäßig fein verteilt bleibt.
- Köcheln lassen: Sobald die Suppe kocht, die Hitze reduzieren und etwa 25–30 Minuten ohne Deckel sanft köcheln lassen. Regelmäßig umrühren.
- Abschmecken: Salz, Pfeffer, Oregano und gegebenenfalls Kreuzkümmel ergänzen. Den Topf vom Herd nehmen, die restlichen Frühlingszwiebeln und Petersilie unterheben. Optional mit Koriander servieren.


