Hand aufs Herz: Wer hätte bei einem Land wie Paraguay gedacht, dass man sich irgendwann nach einem heißen Eintopf sehnt? Doch wenn der Südwind, der Surazo, über das Land zieht und die Temperaturen in Paraguay spürbar fallen, ist klar: Der paraguayische Winter ist angekommen.
Dann geht es weniger um Pool, Tereré und Sommersalat, sondern um einen warmen Ofen, Mate und Gerichte, die von innen wärmen und genug Energie für kühle Tage bringen. Da bei uns gerade wieder genau diese wärmenden Gerichte auf den Tisch kommen, habe ich für diesen Artikel 13 Wintergerichte aus Paraguay zusammengestellt – Gerichte, die hier seit Generationen geschätzt werden und längst auch bei uns Einwanderern regelmäßig auf dem Tisch landen.
Einige dieser Gerichte sind zudem mehr als nur Alltagsessen: Sopa Paraguaya, Vori Vori und Locro gehören zu den Speisen, deren traditionelle Herstellung in Paraguay 2017 offiziell als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Auch sprachlich merkt man, wie vielfältig die paraguayische Küche ist – spanische Begriffe, Guaraní-Wörter und lokale Alltagssprache gehen in vielen Gerichtenamen ganz selbstverständlich ineinander über.
🧉 Der Power-Start: Frühstück für kalte Morgen#
In Paraguay ist das Frühstück im Winter oft warm und sehr herzhaft, um die nötige Energie für die Arbeit im Freien zu liefern.
Mbejú: Wenn es draußen regnet und ungemütlich ist, gibt es kaum etwas Besseres als ein frisch dampfendes Mbejú, oft auch Mbejú geschrieben. Dieser Fladen aus Maniokstärke und viel Käse ist der Inbegriff von Comfort Food und schnell zubereitet. Für den extra Sättigungsfaktor empfehle ich das Mbejú relleno – eine moderne Variante, die zusätzlich mit Käse und Schinken gefüllt wird.
Tortillas Paraguayas: Nicht zu verwechseln mit den mexikanischen Maisfladen: Die paraguayische Tortilla ist ein herzhaftes, frittiertes Teigküchlein aus Weizenmehl, viel Käse und Lauchzwiebeln. Sie sind wunderbar wandlungsfähig und lassen sich hervorragend mit Fleisch (Tortilla So’o) oder anderem Gemüse, z. B. Mais (Tortilla avatiky), verfeinern. Bei uns landen sie nicht nur an einem Wintermorgen auf dem Frühstückstisch, sondern dienen auch oft als schneller Snack zwischendurch oder als knusprige Beilage zu einer heißen Suppe.
Revido: Dieser rustikale Klassiker besteht aus einem einfachen Teig aus Mehl, Wasser und Salz, der in der Pfanne so lange in heißem Fett zerstoßen wird, bis goldbraune, knusprige Krümel entstehen. Früher war es die überlebenswichtige Basis-Energiequelle für Waldarbeiter, da es günstig ist und extrem lange satt macht. Aber auch heute ist es noch das ultimative „Campo-Arbeiter-Frühstück“. Wer dieses authentisch genießen möchte, isst es stilecht mit einem Spiegelei.
Dazu genießen wir wie viele paraguayische Familien traditionell Mate oder einen Cocido Quemado (karamellisierter Yerba Mate) mit Milch. Am Wochenende gibt es auch gerne mal die süßere Variante – den Mate dulce, mit Zucker und je nach Appetit mit Milch statt Wasser.
🍲 Die „Seelenwärmer“: Deftige Suppen & Eintöpfe#
Mittags gibt es im Winter eigentlich nur eine Regel: Es muss heiß sein und im Topf dampfen.
Vori Vori (Bori Bori): Der Name Bori leitet sich vom spanischen “bolita” (Kügelchen) ab – im Guaraní wird daraus „Vori“, was hier also Bällchen-Bällchen bedeutet. Diese kräftige Hühnersuppe mit ihren handgerollten Mais-Käse-Bällchen wurde 2026 von TasteAtlas wieder auf Platz 1 der besten Suppen weltweit gelistet. Für viele Einwanderer ist sie ein guter Einstieg, da sie an die heimische Knödel- oder Markklößchensuppe erinnert. Wir kamen das erste Mal in diesen Genuss, als unser erster Capataz sie uns in unserem ersten Winter hier anbot; seitdem gehört sie fest zu unserem Speiseplan.
Soyo (So’o Josopy): Der Name ist Programm: “So’o Josopy” bedeutet auf Guaraní zerstoßenes Fleisch. In dieser wärmenden Suppe verschmelzen fein im Mörser bearbeitetes Rindfleisch und Gemüse zu einer sämigen Einheit. Sie ist ein fester Bestandteil der täglichen Winterküche und wird fast immer in Begleitung von frittierten Tortillas serviert.
Sopa de Locro & Puchero: Wenn der Südwind weht, schlägt die Stunde der Sopa de Locro. Dieser dicke Eintopf aus weißem Mais und Rindfleisch köchelt stundenlang vor sich hin, bis die Brühe eine wunderbar cremige Konsistenz erreicht. Wer es etwas leichter mag, greift zum Puchero, einer klaren Rindfleischbrühe mit groben Gemüseeinlagen wie Maiskolben, Kürbis und Kartoffeln. Beide Gerichte versprühen echte „Oma-Küche“-Vibes und lassen sich von uns Einwanderern hervorragend mit zusätzlichen Gewürzen individualisieren.
🍴 Herzhafte Sattmacher & Beilagen#
Diese Gerichte funktionieren als eigenständige Mahlzeit oder als kräftige Ergänzung zum Asado.
Sopa Paraguaya & Chipa Guasu: Diese beiden Mais-Käse-Gerichte dürfen auf keinen Fall fehlen. Während die Sopa Paraguaya eher fest und kompakt ist, bleibt Chipa Guasu durch den frischen Mais besonders saftig. Im Winter gibt es beide oft als Hauptmahlzeit mit gekochtem Maniok oder als kräftige Beilage zum Asado. Ihr volles Aroma entfalten sie am besten, wenn sie im traditionellen Lehmbackofen, dem Tatakuá, gebacken werden.
Arroz Kesu / Arroz con Queso: Hierbei handelt es sich um die paraguayische Antwort auf „Mac and Cheese“. Reis, viel lokaler Käse und ein Schuss Milch ergeben ein schlichtes, sättigendes Gericht, das besonders an grauen Tagen guttut.
Mandi’o Chyryry: „Mandi’o“ ist Maniok und „Chyryry“ bedeutet sinngemäß gebraten beziehungsweise sich braten. Dieses typische Maniokgericht ist auch unsere liebste Art, gekochten Maniok vom Vortag zu verwerten. In der Pfanne mit Ei, Käse und Zwiebeln angebraten, bekommt es einen besonders würzigen Geschmack und erinnert uns immer an herzhafte Bratkartoffeln – nur eben auf paraguayische Art.
Pastel Mandi’o: Diese schweren Teigtaschen aus Maniok und Maismehl sind deutlich sättigender als normale Empanadas. Gefüllt mit Rindfleisch und Ei, sind sie das ideale Essen für eine kalte Winternacht am Lagerfeuer.
Pajagua Mascada: Der Name wird meist mit den Payaguá in Verbindung gebracht, einer historischen indigenen Volksgruppe am Río Paraguay. Heute kennen viele Pajagua Mascada vor allem als deftiges Essen zum San-Juan-Fest in Paraguay. Zusammen mit Pastel Mandi’o gehört es dort zu den typischen Klassikern, wenn im Juni Feuer, Spiele und traditionelle Speisen im Mittelpunkt stehen.
Die Grundlage ist ein kräftiger Teig aus gekochtem Maniok, Hackfleisch, Knoblauch und Frühlingszwiebeln, der in heißem Öl knusprig ausgebacken wird. Frisch aus der Pfanne erinnert Pajagua Mascada an eine Frikadelle, nur mit deutlich mehr Maniok. Außen knusprig, innen weich und richtig sättigend ist sie genau der Snack, der auch an einem kühlen Abend besonders gut schmeckt.
🍯 Desserts: Süßer Abschluss für kalte Tage#
Mazamorra (Kaguyjy): Der Guaraní-Name “Kaguyjy” wird häufig mit einer gekochten, angedickten Maiszubereitung erklärt. Dieses traditionelle Dessert beweist, dass einfachste Zutaten einen echten Wohlfühl-Moment entstehen lassen können: Weißer Mais wird in Milch gekocht und mit Honig oder Zuckerrohrsirup (Miel de Caña) verfeinert. Es erinnert in seiner Art an Milchreis und sorgt sofort für ein warmes Gefühl im Bauch.
Kivevé: Dieses cremige Kürbisgericht aus Andai, Maismehl und Queso Paraguay verbindet die natürliche Süße des Kürbisses mit dem milden, leicht säuerlichen Käse. Je nach Zubereitung wird Kivevé semisüß als kleine Mahlzeit oder Merienda gegessen oder etwas herzhafter als Beilage zu Bife oder Asado serviert. Auch in der traditionellen Küche der Karwoche hat das fleischlose Gericht seinen Platz.
Weitere süße Ideen für kalte Tage
Wenn du süße Wintergerichte magst, passen auch Arroz con Leche und Dulce de Calabaza gut in die kalte Jahreszeit. Beide erinnern durch ihre Zutaten an Mazamorra und Kivevé und lassen sich gut vorbereiten.
❓ Häufig gestellte Fragen#
Kann ich paraguayische Spezialitäten auch außerhalb von Paraguay nachkochen?
Ja, mit ein paar Tricks lassen sich viele paraguayische Spezialitäten auch außerhalb des Landes gut nachkochen.
Maniokstärke (Almidón de Mandioca) findet man oft in Asia-Läden oder Afro-Shops, dort meist unter „Tapioca Starch“.
Als Ersatz für Queso Paraguay eignen sich je nach Gericht unterschiedliche milde Käsesorten. Für gebackene Gerichte wie Sopa Paraguaya oder Chipa Guasu kann eine Mischung aus mildem Feta und etwas Mozzarella gut funktionieren. Für cremige Gerichte wie Kivevé passen dagegen Queso fresco, Farmer’s Cheese oder Ricotta besser.
Den Andai-Kürbis für Kivevé kannst du gut durch Butternut-Kürbis ersetzen. Er hat ebenfalls mild-süßliches, orangefarbenes Fruchtfleisch und lässt sich ähnlich verarbeiten.
Was isst man in Paraguay, wenn es kalt ist?
Wenn der Südwind, der Surazo, durchs Land zieht und die Temperaturen fallen, kommen in Paraguay oft einfache, sättigende Gerichte auf den Tisch. Viele davon gehören zur traditionellen paraguayischen Küche und wärmen genau dann, wenn es draußen ungemütlich wird. Beliebt sind vor allem heiße Suppen und Eintöpfe wie Vori Vori, Locro oder Puchero, aber auch ofenfrische Klassiker wie Chipa Guasu und Sopa Paraguaya.
Dazu passen warme Pfannengerichte wie Mbejú, Tortillas Paraguayas oder Pajagua Mascada. Wer es süß mag, greift zu Mazamorra, Kivevé oder Arroz con Leche – am besten mit heißem Cocido oder Mate.
Welche Wintergerichte aus Paraguay sind besonders einfach für Anfänger?
Welche Gerichte eignen sich als fleischlose Option?
Welche Zutaten sind für paraguayische Wintergerichte besonders typisch?
Wie kann ich die Gerichte etwas leichter zubereiten?
Fazit: Winterküche in Paraguay#
Die paraguayische Winterküche ist bodenständig, sättigend und überraschend vielfältig. Wenn der Südwind kommt und die Abende kühler werden, sorgen dampfende Suppen, Maniokgerichte aus der Pfanne, ofenfrische Mais-Käse-Klassiker und süße Wohlfühlgerichte für gute Laune am Tisch.
Für mich ist genau das ein Teil des paraguayischen Winters geworden: morgens, wenn der Ofen gerade angefeuert ist, etwas Warmes wie Tortillas oder Mbejú, dazu Mate oder Cocido – und Chipa Guasu geht sowieso immer, ob als Beilage oder eigene Mahlzeit.
Wer das Essen in Paraguay verstehen möchte, sollte deshalb nicht nur an Asado, Chipa oder Tereré denken, sondern auch an diese wärmenden Gerichte für kalte Tage.
Du möchtest einen der Winterklassiker direkt ausprobieren? Mit Mbejú gelingt der Einstieg besonders unkompliziert. Und wenn du wissen möchtest, warum solche Wohlfühlgerichte in Paraguay überhaupt Saison haben, erfährst du im Überblick zum Winter in Paraguay, wie kalt es werden kann und was der Südwind damit zu tun hat.
Teilen & unterstützen
Kennst du jemanden, der sich für paraguayische Küche oder das Leben in Südamerika interessiert? Dann gib dem Beitrag gerne ein Like und teile ihn mit anderen Südamerika-Begeisterten – und hilf so mit, die kulinarische Vielfalt Paraguays sichtbarer zu machen.
Mehr zum Winter in Paraguay:
- Winter in Paraguay: Wie kalt wird es wirklich?
- Winter in Paraguay: 10 Tipps zur optimalen Vorbereitung
Passend zur kalten Jahreszeit:
Grundlagen für die paraguayische Küche:
Per E-Mail antworten




