Wenn wir an Tortillas denken, haben wir meist die dünnen, mexikanischen Fladen vor Augen. In Paraguay ist das anders: Hier sind Tortillas kleine, herzhafte Küchlein, die portionsweise in der Pfanne ausgebacken werden. Sie kommen frisch und dampfend auf den Teller, sind außen leicht knusprig und innen wunderbar saftig. Da versteht man schnell, warum sie aus dem paraguayischen Alltag nicht wegzudenken sind.
Diese Variante mit Mais und Käse wird hier oft Tortilla con choclo (choclo: so wird junger Mais in Paraguay genannt) oder Tortilla avatiky (Guaraní: junger, saftiger Mais) genannt.
Sie ist unkompliziert, bodenständig und bringt ein Stück paraguayische Küchentradition zu dir nach Hause. Ob als warmes Frühstück an einem kühlen Morgen, als schnelles Mittag- oder Abendessen oder ganz traditionell als Tereré rupa (die kleine Stärkung vor dem ersten kalten Mate) – die kleinen Küchlein passen einfach immer. Das Beste daran ist, dass die Zutaten günstig sind, das Rezept viele Variationen erlaubt und alles im Handumdrehen zubereitet ist. Einmal ausprobiert, wandern sie garantiert regelmäßig in deine Pfanne!
📝 Rezept für Mais-Tortillas aus Paraguay Schritt für Schritt#
Auf einen Blick
- Schwierigkeitsgrad: einfach
- Zubereitungszeit: ca. 35 Minuten
- Vorbereitung: ca. 15 Minuten
- Bratzeit: ca. 20 Minuten
- Portionen: ca. 6 Portionen oder 16 bis 20 kleine Tortillas
🛒 Benötigte Zutaten#
Die meisten Zutaten hast du wahrscheinlich schon im Haus. Was du für das Grundrezept wirklich brauchst und womit du es optional verfeinern kannst, zeigt dir die folgende Übersicht.
Hauptzutaten#
- 1 kg frische Maiskörner, alternativ TK-Mais oder Mais aus der Dose
- 250 ml Milch oder Wasser
- 3 Eier
- 5 bis 8 EL Weizenmehl, je nach Feuchtigkeit des Maises
- 250 g Queso Paraguay, alternativ ein anderer milder Käse
- Salz und Pfeffer nach Geschmack
- Öl zum Braten
Optionale Zutaten#
- 1 bis 2 Lauchzwiebeln oder etwas fein gewürfelte Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe, fein gehackt oder gepresst
- etwas frische Chili, wenn du es schärfer magst
Welche Zutaten kannst du ersetzen?#
Flexible Alternativen bei Verfügbarkeit oder Ernährungsweise
Käse: Milder Feta, Mozzarella, Hirtenkäse oder junger Schnittkäse funktionieren als Ersatz für Queso Paraguay. Feta sorgt für eine würzige Salznote, während Mozzarella perfekt schmilzt und den Kern cremig macht.
Milch: Kann 1:1 durch Wasser oder ungesüßte Pflanzenmilch ersetzt werden (macht den Geschmack minimal dezenter).
Mehl: Für eine glutenfreie Variante eine universelle glutenfreie Mehlmischung nutzen. Reines Mais- oder Maniokmehl bindet anders und sollte nur schrittweise getestet werden.
Eier: Verhindern das Auseinanderfallen in der Pfanne. Ohne Eier wird die Masse sehr empfindlich; hier muss ggf. mit mehr Mehl oder Ei-Ersatz gearbeitet werden.
Mais: Frisch schmeckt am besten. Alternativ TK-Mais oder Dosenmais.
Öl: Traditionell wird in Öl ausgebacken. Im Ofen gebacken spart Fett, aber sie werden jedoch spürbar trockener und weniger authentisch.
Benötigte Küchengeräte#
- leistungsstarker Mixer oder Pürierstab
- große Schüssel
- Schneebesen oder großer Löffel
- Pfanne mit hohem Rand
- Pfannenwender
👩🍳 Schritt-für-Schritt-Zubereitung#
Vorbereitung#
- Maiskörner vom Kolben lösen oder TK-Mais antauen lassen. Alternativ den Dosenmais extrem gut abtropfen lassen, damit der Teig nicht zu flüssig wird.
- Käse in kleine Würfel schneiden oder mit den Händen zerkrümeln.
- Lauchzwiebeln, Zwiebel oder Knoblauch fein schneiden.
Zubereitung / Braten#
Zuerst werden Mais, Milch (oder Wasser) und die Eier in den Mixer gegeben. Mixe alles zu einer cremigen Masse, die ruhig noch etwas Struktur haben darf, aber nicht zu grob sein sollte.
Fülle die Masse in eine große Schüssel. Rühre zuerst 5 EL Mehl ein. Der Teig sollte dick, weich und löffelbar sein. Wenn er zu flüssig ist, gib esslöffelweise mehr Mehl dazu.
Würze die Masse mit Salz und Pfeffer. Rühre Lauchzwiebel, Zwiebel oder Knoblauch unter, wenn du sie verwendest.
Der Käse wird ganz zum Schluss vorsichtig untergehoben. So bleibt er in kleinen Stückchen erhalten und schmilzt später erst in der Pfanne.
Erhitze danach ausreichend Öl in der Pfanne. Das Öl ist heiß genug, wenn ein kleiner Klecks Teig sofort leicht brutzelt.
Gib mit einem großen Löffel kleine Teigportionen in das heiße Öl.
Tipp: Drücke sie nicht zu flach. Wenn sie etwas dicker bleiben, bleibt der Kern später wunderbar saftig.
Brate die Tortillas von beiden Seiten, bis sie eine schöne goldgelbe Farbe annehmen. Sobald die Unterseite stabil ist, lassen sie sich ganz leicht wenden.
Lege die fertigen Tortillas kurz auf Küchenpapier, damit überschüssiges Öl abtropfen kann. Am besten schmecken sie warm.

💡 Praktische Tipps für Mais-Tortillas#
Damit die Tortillas gut gelingen
- Teig zu flüssig?
Etwas mehr Mehl einrühren und kurz warten, bis die Masse bindet. - Tortillas fallen auseinander?
Öl heißer werden lassen. Die Tortillas erst wenden, wenn die Unterseite fest ist. - Zu fettig?
Nicht in lauwarmes Öl geben. Dann saugt sich der Teig schneller voll. - Für Gäste:
Die Tortillas lassen sich gut warmhalten, verlieren aber nach längerer Zeit etwas Knusprigkeit. Kurz in der Pfanne oder im Ofen auffrischen hilft.
Nährwertübersicht#
Die Werte beziehen sich auf das Grundrezept mit Milch und etwas aufgenommenem Bratöl. Pro Portion, bei 6 Portionen, ergibt sich ungefähr:
- Kalorien: ca. 430 bis 520 kcal
- Eiweiß: ca. 16 bis 20 g
- Kohlenhydrate: ca. 45 bis 55 g
- Fett: ca. 20 bis 28 g
- Ballaststoffe: ca. 4 bis 6 g
Die Nährwerte sind Durchschnittswerte und können je nach Mais, Käse, Ölmenge und Portionsgröße deutlich variieren.
🍽️ Wozu passen Mais-Tortillas?#
Mais-Tortillas sind in Paraguay echte Allrounder. Hier findest du ein paar einfache Ideen, womit du sie kombinieren kannst.
Klassisch: Gekochte Maniokstücke (Mandioca) – die traditionellste Kombination überhaupt.
Frisch: Ein einfacher Tomaten-Gurken-Salat oder Krautsalat als leichter, knackiger Kontrast.
Herzhaft: Als sättigende Beilage zu einer warmen Schale Poroto (Bohneneintopf).
Fürs Asado: Am Wochenende als Ergänzung zu gegrilltem Fleisch, Chipa Guasu oder Sopa Paraguaya.
Morgens & an kühlen Tagen: Frisch und dampfend aus der Pfanne zu heißem Mate cocido oder Kaffee.
Tagsüber: Traditionell als Tereré rupa – die perfekte, salzige Grundlage vor dem ersten kalten Tereré.
🔄 Varianten des Rezepts#
Wie viele andere paraguayische Rezepte lebt auch dieses Gericht davon, welche Zutaten man gerade im Haus hat, und lässt Spielraum für die eigene Kreativität.
Bekannte Varianten#
Neben der Mais-Version gibt es zwei weitere Varianten, die fest verankert sind, wenn man über traditionelle Rezepte aus Paraguay spricht. Du findest sie nachfolgend als kompakte Kurzanleitungen zum schnellen Nachkochen:
🌾 Klassische Tortillas paraguayas (Basisrezept ohne Mais)#
Die klassische Variante besteht nur aus Weizenmehl, Eiern, Milch (oder Wasser), Salz, Käse und Lauchzwiebeln. Perfekt, wenn es schnell gehen muss und kein Mais im Haus ist. Das Mais-Rezept aus diesem Artikel ist also eine Abwandlung dieses Basisrezepts.
Zutaten für ca. 4 bis 6 Portionen:
- 500 g Weizenmehl
- 3 Eier
- ca. 250 ml Milch oder Wasser
- Käse nach Geschmack
- Salz und Pfeffer
- Lauchzwiebel oder Zwiebel
- optional Knoblauch
Kurz-Zubereitung: Mehl, Eier und Milch oder Wasser zu einem dickflüssigen Teig verrühren. Salz, Pfeffer, Lauchzwiebel und optional Knoblauch dazugeben. Zum Schluss den Käse unterheben. Portionsweise in heißem Öl goldgelb ausbacken und am besten warm servieren.
🥩 Tortilla So’o (Herzhafte Variante mit Fleisch)#
So’o bedeutet auf Guaraní „Fleisch“. Diese Version wird durch die Zugabe von Hackfleisch, Schinken oder Wurststücken deutlich kräftiger und sättigender.
Zutaten für ca. 4 bis 6 Portionen:
- 500 g Weizenmehl
- ca. 250 ml Milch oder Wasser
- 2 Eier
- 400 bis 500 g Hackfleisch oder sehr klein geschnittenes Fleisch
- 2 Knoblauchzehen
- Salz und Pfeffer
- etwas Kreuzkümmel oder Kümmel nach Geschmack
- Käse nach Geschmack
Kurz-Zubereitung: Fleisch vorab in der Pfanne anbraten und würzen. Aus Mehl, Eiern und Milch einen dickflüssigen Teig rühren, abgekühltes Fleisch, Gewürze und Käse unterheben und in heißem Öl ausbacken.
Tipp zur Fleischvariante
Das vorherige Anbraten des Fleises macht das Ausbacken einfacher, sicherer und sorgt für bessere Kontrolle über die Garzeit.
Moderne Abwandlungen#
Gemüse-Tortillas: Mit geraspelter Karotte, Zucchini oder Zapallito werden die Tortillas etwas leichter und saftiger.
Schärfere Variante: Frische Chili, scharfes Paprikapulver oder etwas mehr Knoblauch passen gut, wenn du es würziger magst.
Fingerfood-Variante: Kleine Tortillitas sind ein hervorragender Partysnack und lassen sich ideal als Fingerfood für Gäste vorbereiten. Sie passen auch wunderbar als Picknick-Snack.
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🇵🇾 Hintergrundinfos zum Rezept#
Was macht Mais-Tortillas besonders?#
Das Besondere an dieser Variante ist das feine Zusammenspiel der Gegensätze: Die natürliche Süße des Maises trifft auf den salzig-herzhaften Charakter des geschmolzenen Käses. Außen leicht knusprig und innen angenehm weich, unterscheiden sie sich grundlegend von der mexikanischen Variante: In Paraguay meint man damit keine dünnen Fladen, sondern in der Pfanne ausgebackene, herzhafte Küchlein.
Welche Rolle spielen Tortillas in Paraguay?#
Ebenso wie Maniok (Mandioca) sind Tortillas ein fester Bestandteil der traditionellen paraguayischen Alltagsküche. Sie sind günstig, im Handumdrehen zubereitet und wunderbar vielseitig.
Genau deshalb passen sie so gut in den Alltag: als wärmende Frühstücksidee in der Winterküche, als herzhafter Snack bei Familienfeiern oder bei Festen wie San Juan, als Beilage oder als unkompliziertes Hauptgericht für die Sommerküche. Kündigt sich kurzfristig Besuch an oder steht ein spontan Ausflug mit Picknick an, sind Tortillas eine praktische Lösung. Sie sind handlich, lassen sich gut teilen und schmecken warm ebenso wie kalt.
Notizen aus dem Campo
Ein Bekannter hier in der Gegend hat uns einmal gezeigt, wie seine Familie Mais-Tortillas zubereitet – stolz auf den Mais aus eigener Ernte und den von seiner Frau selbsthergestellten Queso Paraguay.
Während die Tortillas in der Pfanne auf dem traditionellen Holzherd (Fogón) brutzelten, erzählte er uns, dass fast jede Familie in Paraguay ihre eigene, mündlich überlieferte Variante hütet. Die einen nehmen mehr oder anderen Käse, die nächsten bevorzugen Zwiebeln statt Lauchzwiebeln.
Solche Momente zeigen, wie eng der eigene Anbau, hausgemachte Lebensmittel und bodenständiges Essen auf dem Land hier zusammengehören.
Welche Zutaten prägen Mais-Tortillas?#
Mais in der paraguayischen Küche#
Mais ist in Paraguay eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Man findet ihn in berühmten Klassikern wie Chipa Guasu oder Sopa Paraguaya, aber auch in bodenständigen Pfannengerichten wie Rorá kyra. In den Tortillas sorgt der Mais für die charakteristische Süße, Saftigkeit und eine schöne Struktur.
Weitere typische Zutaten#
Der traditionelle, leicht säuerliche Queso Paraguay darf nicht fehlen. Er schmilzt beim Braten wunderbar und verleiht den Tortillas ihre typische Würze. Lauchzwiebeln bringen frische Farbe und eine feine, herzhafte Note in den Teig, während Eier und etwas Weizenmehl dafür sorgen, dass die Masse in der Pfanne perfekt zusammenhält.
❓ Häufig gestellte Fragen#
Was ist der Unterschied zwischen paraguayischen und mexikanischen Tortillas?
Kann ich Mais-Tortillas auch ohne Queso Paraguay machen?
Kann ich die Tortillas vorbereiten?
Wie bewahre ich fertige Tortillas auf?
Kann ich die Tortillas im Backofen statt in Öl zubereiten?
Sind Mais-Tortillas glutenfrei?
Sind Mais-Tortillas vegetarisch?
Fazit#
Für mich sind diese Mais-Tortillas eines der besten paraguayischen Rezepte für Einsteiger: Sie sind absolut unkompliziert, wunderbar wandlungsfähig und bringen eine ehrliche Gemütlichkeit auf den Tisch. Ein bodenständiger Klassiker, den ich in meiner Küche schnell lieben gelernt habe und nicht mehr missen möchte.
Viel Spaß beim Nachkochen und “buen provecho”!
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